Das zweite Gesicht

Das zweite Gesicht – der Blauen Zone in Costa Rica. Die Bevölkerung gehört mitunter zu der ältesten der Welt. Ein langes buntes und gesundes Leben. Doch was nützt einem dieser „Triumph“, wenn man dann im hohen Alter sich selbst überlassen ist? 

Hilfe im Alter
Unterstützung im Alter findet man in der Familie

100 Jahre

Verschleierte Augen. Ein zahnloses Lächeln. Ein Gesicht, das mit Falten und Flecken bedeckt ist, die von einem langen Leben zeugen. Daneben steht eine Betreuerin, die Tochter. Sie gehört ebenfalls schon zur älteren Generation. Sie und ihr Bruder werden in einigen Jahren auch eine Pflegekraft benötigen. Ein Umfeld, in dem unzureichende oder fehlende Infrastrukturen es ihnen erschweren, sich im eigenen Haus zurechtzufinden.

Über diese Szenen wird fast nie gesprochen. Die ältere Bevölkerung, die im Herzen der blauen Zone lebt, wird in der Regel nostalgisch dargestellt, was jedoch oft einen unvollständigen Eindruck vermittelt.

Unser Beispiel einer Hundertjährigen: sie wohnt neben der Straße, die nach Cartagena in Carrillo führt, auf einem steilen und schlammigen Feldweg. Bis zur Haustür führt ein aus Stöcken improvisierter Handlauf und ein mit Gummi überzogenes Kunststoffrohr, damit die Dame sich festhalten kann, wenn sie auf dem unebenen Boden geht. Sie teilt dieses Holz- und Zementhaus mit ihren beiden Kindern, der Sohn 84, und die Tochter 78 Jahre alt, die auch ihre Betreuerin ist. Sie müssen ihre monatlichen Haushaltsausgaben mit ihren drei Renten von jeweils rund 80.000 ¢ (etwa 135 $) verwalten.

Niocya Peninsula Blue Zone Association

Laut Jorge Vindas, von der Nicoya Peninsula Blue Zone Association, einer Organisation, die sich der Erforschung von Langlebigkeits- und Outreach-Programmen widmet, sind die jüngsten Betreuer mindestens 50 Jahre alt und in vielen Gebieten gibt es keine Betreuer unter 50 Jahren.

Eine weitere Dame, 66 Jahre, ist verantwortlich für die Betreuung ihres Vaters, der 100 Jahre alt ist. Irene Bustos, 100 Jahre alt, erhält eine monatliche Pension von ca. ¢90.000 Colones (ca. $150). Sie und ihr Betreuer, Rigoberto Bustos, 56, das jüngste ihrer 16 Kinder, müssen mit diesem Geld auskommen, um ihre Ausgaben zu decken.

„Wir müssen jüngere Menschen einbeziehen und Pflegekräfte ausbilden, um eine bessere Betreuung der älteren Menschen zu gewährleisten“, sagte Vindas. „Vor allem müssen wir alles tun, was notwendig ist, damit sie ein menschenwürdiges Leben führen können“, fügt er hinzu.

Hilfe im Alter
Unterstützung im Alter

Komitee

Im Kanton Santa Cruz hat dieser Verein ein Komitee aus Hundertjährigen und Gemeindemitgliedern gegründet. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, die ältere Generation zu überwachen und zu versorgen. Die Gruppe, die fast ausschließlich aus Frauen besteht, sammelt Geld, um Windeln und Nahrungsergänzungsmittel zu kaufen, die Menschen zu medizinischen Terminen zu begleiten und auch Essenspakete für ältere Erwachsene zu liefern.

Eine dieser Frauen ist Marlene Contreras, eine Folkloristin aus Santa Cruz, die sich nach ihrer Pensionierung der Arbeit für die Gemeinschaft widmete. Sie macht die Reise von Sardinal nach Huacas mit einem Auto, das ihr die Gemeinde Santa Cruz zur Verfügung stellt. Die Reise dauert den ganzen Tag, aber sie macht es mit völliger Hingabe. Auch ihre Mutter wurde 100 Jahre alt. Sie kennt die Situation aus eigener Erfahrung und weiß um die „Kämpfe“ die man zu kämpfen hat.

„Wenn sie mir die Pflege meiner Mutter beigebracht hätten, vor allem wie man es macht, hätte ich viele Fehler vermeiden können“, sagt Marlene.

Blaue Zone

Die blaue Zone besteht aus Hojancha, Nandayure, Nicoya, Santa Cruz und Carrillo. Letztere aber haben keine staatlichen Betreuungsnetze für ältere Erwachsene, so dass der Verband von Jorge Vindas das Nicoya-Netzwerk bat, den 15 Hundertjährigen mit dem größten Bedarf in diesen beiden Kantonen Nahrung zu geben.

Der Verband plant nun, diese Art von Gemeinschaftskomitee zu replizieren, um dadurch ein weiteres Gebiet abdecken und überwachsen zu können.

Costa Rica hat hier starken Handlungs- und Nachholbedarf. Vieles muss neu organisiert und strukturiert werden um die Bevölkerung hier unterstützen zu können.

Es bleibt zu hoffen, dass alsbald eine Lösung gefunden wird.

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